Wieder einmal etwas aus der Abteilung Hufeisennasen. Gefunden in nature.com.

Bekanntlich konnte das SARS-CoV-1 von der chinesischen Forscherin Shi Zhengli (Ursprünge des Virus & Laborthese) vom Wuhan Institute of Virology(WIV) im Jahre 2016 bei Chinesischen Hufeisennasen (Hufeisennase), die sie 2003 in Yunnan untersucht hatte, nachgewiesen werden. Von dieser Fledermausart ist das erste SARS-Virus mittels Zoonose auf den Menschen übertragen worden. Es gibt starke Hinweise – aber noch keine Beweise –, dass die Hufeisennase auch das neue Coronavirus in sich trägt. Die Virologengemeinde ist daran, diese These genauer unter die Lupe zu nehmen.

Forscherinnen und Forscher um Veasna Duong vom Pasteur-Institut in Phnom Penh in Kambodscha haben aus tiefgefrorenen Proben der Shamel Hufeisennasen Viren gefunden, die mit dem SARS-CoV-2 zu tun haben könnten. Das Genom konnte noch nicht komplett sequenziert werden, aber es deutet einiges darauf hin, dass es verwandt oder gar ein Vorfahre des SARS-CoV-2 sein könnte.

Man erinnere sich daran, dass Shi Zhengli mit ihrer Forschung an den Viren der Chinesischen Hufeisennase die Grundlage für die Entwicklung des Medikaments Remdesivir lieferte (das unterdessen jedoch nicht mehr sehr häufig eingesetzt wird, da die Wirkung doch nicht so breit ist, wie erste Resultate suggerierten).

Sollte sich die Annahme aus Kambodscha bewahrheiten, wäre das ein wichtiger Schritt für die Nachverfolgung der Zoonose auf den Menschen. Das Genom des gefundenen Virus müsste aber zu mindestens 97 Prozent identisch sein mit dem SARS-CoV-2, um mit ihm verwandt zu sein, stimmen sie zu 99 Prozent überein, dürfte es sich gar um einen direkten Ahnen handeln. Das SARS-CoV-2 und der Verwandte RaTG13 etwa sind zwar zu 96 Prozent identisch, aber der Unterschied entspricht gleichwohl einer Evolutionsdauer von 40 bis 70 Jahre. Obwohl sie entwicklungsmäßig also Jahrzehnte auseinander liegen, sind sich die Viren dennoch ähnlich genug, um denselben Rezeptor für den Eintritt in die Zellen zu nutzen. Also auch das RaTG13 könnte in menschliche Zellen eindringen. Wie auch immer das Genom des in Kambodscha gefundenen Virus zusammengesetzt ist, es hilft sowieso dabei, die unterschiedlichen Erreger-Varianten in der Corona-Virusfamilie besser kennenzulernen, meint der Virologe Etienne Simon-Loriere vom Pasteur-Institut in Paris. Simon-Loriere ist daran, das Genom zu sequenzieren. 

Bei einem neuentdeckten Virus namens Rc-o319, das kürzlich in einer Kleinen Japanischen Hufeisennase gefunden wurde, die 2013 gefangen und seither eingefroren war, ist das Genom schon bekannt. Es deckt sich nur zu 81 Prozent mit dem SARS-CoV-2. Dieser Prozentsatz reicht nicht, um über die Ursprünge des neuen Coronavirus genauere Erkenntnisse zu gewinnen. Der Fortschritt der Wissenschaft schreitet voran, auch deshalb, weil man etwas nicht beweisen konnte. 

Beide Untersuchungen bestätigen jedoch die These, dass Coronaviren offenbar bei Hufeisennasen sehr häufig vorkommen, und zwar nicht nur in China, sondern auch in anderen asiatischen Ländern. Eine weitere wichtige Erkenntnis solcher Untersuchungen betrifft die zeitliche Perspektive. Das SARS-CoV-2 und ähnliche Viren sind keine neuen Erreger, sie wurden lediglich erst kürzlich entdeckt und man ist wegen der Pandemie aufmerksam auf sie geworden. Sie haben sich in Hufeisennasen schon seit längerer Zeit eingenistet.

Das von den USA finanzierte Projekt PREDICT, das weltweit nach (tierischen) Ursprüngen von potenziellen Pandemien sucht, wurde im Februar von der US-amerikanischen Regierung gestoppt. Just zu jener Zeit, in der die Administration Trump Gerüchte verbreitete, das Virus stamme aus chinesischen Laboren und sei vielleicht gar willentlich ausgesetzt worden. Im April jedoch sprach die United States Agency for International Development (USAID) fast 3 Mio. USD, um in Proben von Fledermäusen, Schuppentieren und anderen Tieren aus Laos, Malaysia, Nepal, Thailand, Vietnam und Kambodscha nach weiteren Viren zu suchen. Die Resultate, die in ein paar Wochen publiziert werden sollen, werden mit Spannung erwartet.

Zurück zum Schreibtisch.